Leipzig-Stötteritz
Stadtbezirk: Südost
Stötteritz, der höchstgelegene Ortsteil Leipzigs, verdankt seinen Namen dem altsorbischen Wort stodor, welches soviel bedeutet wie „Ort auf steinigem Grund“. Bis zu seiner Eingemeindung im Jahr 1910 war es seit 1839 eine eigenständige Gemeinde. Heute ist Stötteritz ein Ortsteil im Leipziger Stadtbezirk Südost.
Geschichte
Erstmals erwähnt wurde Stötteritz in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts als König Heinrich I. diese Region erobert. Nach intensiven Landesausbau unter Markgraf von Wettin entsteht eine Wallanlage nördlich des Ortskerns. Im Jahr 1213 findet auch das benachbarte Baalsdorf erstmalig Erwähnung. Sowohl in Stötteritz als auch in dem von flämischen Siedlern gegründeten Baalsdorf erwirbt das Thomaskloster Hufenbesitz. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts bildeten sich in Stötteritz zwei Rittergüter, das obere und das untere, heraus. Durch diese Abgrenzung innerhalb der Ortschaft und dem häufigen Wechsel der zumeist bürgerlichen Gutsbesitzer, entstehen zwei voneinander unabhängige Ortsteile. Im Schmalkaldischen Krieg bezieht Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen sein Hauptquartier bei Stötteritz im Haus Hans Schwartzens. Bei seinem Abzug verschont er den Ort. Auch im Dreißigjährigen Krieg muss Stötteritz als Austragungsort dienen, da kaiserliche Truppen von Thonberg und Stötteritz aus Leipzig beschießen. Der mit Sicherheit katastrophalster Rückschlag in der Geschichte von Stötteritz trägt sich im Jahr 1637 zu, als die Ortschaft durch Plünderung, Brände und Pest fast ausgestorben ist. Dass die Pest auch in den darauffolgenden Jahren in Stötteritz ein ernsthaftes Problem darstellte verdeutlicht eine Statistik aus dem Jahr 1650, welche belegt, dass allein in diesem Jahr 103 Menschen an der Seuche starben. 1764 gehört das Dorf Stötteritz zum Amt Leipzig und zählt 700 Einwohner. Für viele Bewohner wird der Tabakanbau zum Haupterwerbszweig. In der Blüte des Tabakanbaus wird der Ertrag (scherzhaft „Stänkeriko“ genannt) mit 10.000 Zentnern angegeben. Die Häuser von Stötteritz sind im Herbst mit gelben trocknenden Tabakblättern behängt. Andere Stötteritzer arbeiten als Tagelöhner in Leipzig. Der Einfluss der Güter nimmt mit der Zeit jedoch drastisch ab. Während der Völkerschlacht im Jahr 1813 soll Napoléon Bonaparte am 17. Oktober, von seinem Reudnitzer Quartier kommend, in einem Herrenhaus im unteren Teil von Stötteritz eingetroffen sein. Am Abend wird das Hauptquartier Napoleons nach Stötteritz verlegt. Am darauffolgenden Tag liegt die Stötteritzer Flur unmittelbar im Kampfgebiet. An der ältesten der fünf Stötteritzer Windmühlen (bei der heutigen Gärtnerei am Kärrnerweg) hat Marschall MacDonald seinen Befehlsstand. Er wird mit seinen Truppen durch russische Kavallerie ins Dorf zurückgedrängt. Die napoleonischen Truppen plündern den Gutshof. Bei Einbruch der Dunkelheit werden die Kämpfe abgebrochen. Nachts ziehen sich die erschöpften napoleonischen Soldaten nach Leipzig zurück. Am 19. Oktober reiten Gesandte der Hauptarmee der Verbündeten nach Stötteritz und Probstheida, um die napoleonischen Stellungen zu erkunden. Sie kehren bald mit der Meldung zurück, dass beide Dörfer vom Feind verlassen seien. Nach anderen Angaben werden die französischen Truppen aus dem Dorf vertrieben. Alle Futtervorräte und Lebensmittel sind geplündert, die Bevölkerung ist größtenteils vertrieben. Von 145 Häusern sind 15 abgebrannt und 40 beschädigt. Die Marienkirche ist als Lazarett eingerichtet. Die Orgelpfeifen sind gestohlen. An die tausend Gefallene liegen im Ort. Sie werden am Eichenwäldchen längs der heutigen Pommernstraße bestattet.
Im Jahr 1850 wohnen in Stötteritz ca. 2.500 Menschen. Der Ort entwickelt sich zu einem der bevölkerungsreichsten Vororte Leipzigs.