Zentrum
Stadtbezirk: Mitte
"Mein Leipzig lob' ich mir! Es ist ein Klein Paris, und bildet seine Leute." Schon Leipzigs berühmtester Student Johann Wolfgang von Goethe wusste die Vorzüge der Stadt zu schätzen.
Schon lange bevor Leipzig als Stadt erwähnt wurde, sind Spuren menschlicher Ansiedlung nachweisbar, die etwa 4000 Jahre vor unserer Zeit auf dem Plateau zwischen Elster, Pleiße und Parthe lag. Im 7. und 8. Jahrhundert kamen in das Gebiet mit Wall und Graben Slawen und gaben der Siedlung den Namen "Lipzi", Leipzig, der altsorbisch auf Lipa = Linde, d. h. Ort bei den Linden zurückgeht. Im 10. Jahrhundert drangen deutsche Feudalherren in das Gebiet ein und errichteten an Stelle der sorbischen Wallanlage eine deutsche Burg, "urbs Lipzi", die im Jahr 1015 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Heute steht das Neue Rathaus an Stelle der Pleißenburg. In der Nähe kreuzten sich zwei wichtige Handelsstraßen – die Via regia (Königs- oder Hohe Straße) und die Via imperii (Reichsstraße). Sie führten von Skandinavien nach Italien bzw. von Spanien nach Russland.
Die Gründung als Stadt erfolgte um 1165, das genaue Datum ist unbekannt. Die Stadt wurde bald zum mittelalterlichen Marktort und erhielt Anfang des 16. Jahrhunderts Messe-privilegien. Auch durch den Silberbergbau im Erzgebirge und dessen Handel kam die Stadt zu Wohlstand. Erkennen lässt sich das in den heute noch vorhandenen Bauten der Frühgotik und Renaissance wie Altes Rathaus, Thomaskirche und Nikolaikirche.
Mit dem Stadtrecht erhielt Leipzig auch das Marktrecht. Kaiser Maximilian I. erklärte die Messen 1497 und 1507 zu Reichsmessen. Bis zum Dreißigjährigen Krieg entstanden die für Leipzig typischen Messe- und Handelshäuser. Patrizier und Kaufleute erbauten sie zur Nutzung als Wohnung, Schreibkammer, Kaufmannskontor, Fremdenzimmer und Speicher unter einem Dach. Beispiele dafür sind Barthels Hof und Auerbachs Hof als Bestandteil der Mädlerpassage. 1895 wurde die erste Mustermesse durchgeführt und es wurden neue Messepaläste errichtet, von denen Specks Hof einer der schönsten ist.
In relativ kurzer Zeit kann man sich ein recht vollständiges Bild vom Zentrum verschaffen. Die meisten Sehenswürdigkeiten lassen sich am besten in einem Rundgang durch die Innenstadt erkunden, die von einem Straßenring und einem Grüngürtel umschlossen wird, wo einst die Stadtmauern standen. Sie ist klein und kompakt ist mit einer Fläche von nur 0,455 qkm Vom Wohlstand der Rauchwaren- und Pelzveredlungsindustrie, für die Leipzig im 18. und 19. Jahrhundert das Zentrum war, zeugen heute noch Hauszeichen an den historischen Gebäuden in der Reichsstraße. Auf dem Sachsenplatz befinden sich prächtige Patrizier-häuser, wie z. B. das Romanushaus und das Fregehaus. Durch die Katharinenstraße gelangt man zum Marktplatz, der von einigen eindrucksvollen Gebäuden umrahmt wird - das Alte Rathaus, ein Renaissancebau mit der längsten Gebäudeinschrift nördlich der Alpen, die Alte Waage, wo man zu den Warenmessen die Güter wog, verzollte und stapelte, und das Königshaus, ein ehemaliges Gasthaus, in dem bereits Peter der Große, Napoleon und Friedrich der Große logierten.
Die Grimmaische Straße ist eine belebte Einkaufsstraße, die zum Augustusplatz führt. Vorbei geht es an der Alten Handelsbörse, einem Barockbau, der als Versammlungsort der Kaufleute und für Börsengeschäfte diente und in dem später die Stadtverordneten tagten, und an der berühmten Mädlerpassage mit dem Auerbachs Keller sowie der Nikolaikirche die 1989 Ausgangspunkt für die Wende war.
Der Augustusplatz - geprägt von Nachkriegsbauten - ist ein kultureller Mittelpunkt der Stadt mit dem Opernhaus und dem Neuen Gewandhaus sowie dem Mendebrunnen. Das Kroch-Hochhaus mit den Glockenmännern, das Hochhaus des Mitteldeutschen Rundfunks mdr - "Weisheitszahn" genannt - und die Universität bestimmen das Ensemble.
Folgt man dem Promenadenring gelangt man zur Thomaskirche, Wirkungsstätte von Johann Sebastian Bach und Heimstatt des Thomanerchors. Gegenüber erfährt man im Bosehaus und Bachmuseum dessen Leben und Wirken in Leipzig. Durch die Klostergasse kommt man zum Barfußgässchen und damit in das weltweit älteste erhaltene Kaffeehaus „Zum arabischen Coffeebaum“.