Zentrum Ost
Stadtbezirk: Mitte
Dieser Stadtteil Leipzigs wird im Wesentlichen durch den Georgiring, dem Augustusplatz und der Ludwig-Erhard-Straße begrenzt. Hier befinden sich eine Vielzahl kultureller Einrichtungen wie z.B. das Gewandhaus.
Wenn man von diesem Stadtteil spricht, muss man selbstverständlich auch den Leipziger Hauptbahnhof erwähnen, da er das Herzstück der Leipziger Infrarstruktur darstellt und somit unverzichtbar für die Stadt Leipzig und deren Bürger ist.
Der Leipziger Hauptbahnhof ist mit einer Grundfläche von 83.640 Quadratmetern der flächenmäßig größte Kopfbahnhof Europas. Mit einem täglichen Fahrgastaufkommen von 120.000 Reisenden zählt er zu den 20 Bahnhöfen der höchsten Bahnhofskategorie.
In den Jahren 1871 bis 1899 erzwang die räumliche Trennung der 6 Fernbahnhöfe komplizierte Zugläufe und Rangierbewegungen. Die privaten Aktiengesellschaften wurden durch das Staatsbahnsystem übernommen, um umfangreiche Investitionen in das Eisenbahnnetz zu ermöglichen. Innerhalb Leipzigs verkehrten allerdings die Eisenbahnen zweier Staaten – die Sächsische Staatsbahn und unter preußischer Regie die königlichen Eisenbahndirektionen Magdeburg, Erfurt, Halle - die teilweise gegensätzliche Interessen hatten. Das Wort preußisch-sächsischer Eisenbahnkrieg machte die Runde.
Für Leipzig als bedeutender Knoten im Netz der europäischen Eisenbahn war ein Umbau der gesamten Bahnanlagen dennoch unaufschiebbar. Die Verwaltung der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen bevorzugte einen Durchgangsbahnhof. Die preußischen Verwaltungen bestanden auf dem eher hinderlichen Kopfbahnhof-Konzept. Der Leipziger Rat entschied sich für einen Kopfbahnhof mit dem Argument, dass die neue repräsentative Station damit näher an das Stadtzentrum gebaut werden könne. Die Sächsische Staatsbahn und die preußischen Eisenbahndirektionen nutzten das Gebäude gleichzeitig - daher war eine symmetrische Gestaltung mit zwei zusammenhängenden Bahnhofshälften vorgezeichnet.
Die Grundsteinlegung des Bahnhofs fand am 16. November 1909 statt. In einer Kapsel, die in das Fundament eingemauert wurde, befinden sich neben Münzen und Tageszeitungen auch der Kostenvoranschlag für den Hauptbahnhof und Unterlagen zum Architekturwettbewerb. Dies sollte nachfolgenden Generationen die damalige Budgetdisziplin aufzeigen. Schwierig-keiten bereitete der morastige Baugrund des Hauptbahnhofs. Um eine ausreichende Stabilität zu erreichen, mussten 3.125 Gründungspfähle aus Stahlbeton 7 Meter tief in die Erde getrieben werden. Der Wasserlauf der Parthe wurde für den Bau unter die Erde verlegt und umgeleitet.
[Am Bahnsteig 1 im westlichen Seitenschiff fuhr der erste Zug, eine preußische P4, am 1. Mai 1912 aus Corbetha ein. Während auf der preußischen Seite die vorhandenen Stellwerksanlagen lediglich angepasst wurden, setzte die Sächsische Staatseisenbahn auf das Modernste, was seinerzeit erhältlich war.
Bei dem ersten schweren Luftangriff auf Leipzig bekam der Bahnhof am 4. Dezember 1943 einige Treffer ab. Bei dem Angriff der US-Luftflotte am 7. Juli 1944 entstanden dagegen schwerste Beschädigungen. 1947 anlässlich der Frühjahrsmesse war der Querbahnsteig wieder teilweise nutzbar. Alle sechs Hallen mit einer Überdachung von 60.000 Quadratmeter waren zur Herbstmesse 1957 fertiggestellt, wobei die Verglasung des Daches bis 1961 dauerte.
Der Bahnhof wurde in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre umfassend saniert.